Rostocker
Marathon Nacht am 6. August 2005
Der Rundkurs verläuft vom Neuen Markt durch die City, den Stadthafen und über die alte Petribrücke. Er führt am Ufer der Warnow entlang, durch Wohngebiete, den neuen Warnow-Tunnel und über das Gelände der IGA 2003 quer durch ganz Rostock. Insgesamt werden 11 Stadtteile passiert.
6. August 2005, nach Valencia und Hamburg war Rostock mein dritter Marathon in diesem Jahr.
Wie ich immer wieder betone steht für mich auch hier in Rostock der Spaß am Laufen im Vordergrund. Das muss ich mir auch unbedingt einreden, denn Vorbereitung auf diesen Lauf gab es keine. Nach dem Organisieren des Würzburg Marathons folgte nach kurzer Pause gleich der 1. Würzburger Frauenlauf. Andere Laufen lassen macht auch Spaß, daher kam ich wirklich nur auf 10-20 km Vorbereitung je Woche.
Aber was sollte schon passieren, 42km sind ja nun schon keine unbekannte Anforderung für mich.
Der Marathonsamstag:
Von 10:00-17:30 stehe ich mit meiner Frau und den beiden Söhnen auf der Marathonmesse, locke die Läufer aus dem hohen Norden zu uns an den Stand, schildere wie schön der Würzburg Marathon ist, lade zum Probeglas Frankenwein ein und freue mich gemeinsam beim Small-Talk auf meinen ersten Nachtmarathon in Rostock.
17:30, schnell zum Parkplatz, den Messegeschwächten Körper einfetten wo es nur geht, Füße, Gesicht, den hochgeklappten Zehennagel mit Pflaster sichern, Funktionskleidung anziehen, Laufschuhe anziehen, Schildmütze auf, Jacke umgebunden, Startnummer 30 fixieren.
17:45, die Aufregung ist da, ich schwebe fast zum Start, mein Gott wie immer habe ich dasselbe Gefühl, Schmetterlinge im Bauch….
17:50, der letzte Schluck vom Zaubertrank.
17:55, ich stehe am Start, in Sichtweite meine Familie die wie immer denkt „warum tut er das?“, ja diese Frage zu beantworten ist ganz einfach, weils so richtig schön und gleichzeitig schrecklich ist. Diese Gefühlsschwankungen, einfach alles, ach ich träume schon wieder.
17:59, die Musik ist da, der Countdown läuft, drei, zwei, eins
18:00, Start, meine erster Nachtmarathon beginnt.
Noch scheint die Sonne, am Neuen Markt von Rostock.
In diesem Jahr ist das Veranstaltungsgelände des Rostock Marathons in der Stadtmitte, umrahmt vom Rathaus, vielen schönen Häusern, dem neuen Brunnen:
Eine richtig schöne Kulisse!
Wir
durchlaufen die City, und plötzlich ist er da, Martin mit der Startnummer
286.
Martin spricht mich an, und das Gespräch dauert etwa 42km, er erzählt mir dass er bereits zum dritten Mal in Rostock läuft und heute die 4 Stunden knacken will.
Ich gratuliere Ihm zu diesem Plan, und erkläre dass dies bei mir nicht klappen wird.
Regen in seiner unangenehmsten Form, er ist da, mit Böen, das schönste daran ist das ich meine Jacke dabei habe. Also nichts wie rein in die Klamotten, frieren will ich wirklich nicht.
Nun sind wir im Stadthafen, es regnet immer noch, die Jacke hält noch, das Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter sondern nur falsche Bekleidung.
Gerade laufen wir an unserem Hotelschiff MS "Georg Büchner" vorbei. Unter der Dusche in unserem Zimmer war es erheblich trockner als in diesem Moment, das Wasser in der Dusche tröpfelte nur fiel mir gerade ein.
Martin und ich plaudern über Gott und die Welt, er beginnt zu frösteln, ob das mit den 4 Stunden etwas wird?
Was mir in Rostock besonders gut gefällt ist die rückwärts zählende Kilometerausschilderung. Ich habe den Eindruck das die Kilometer schneller vorbeiziehen.
Nur
noch 25km bis zum Ziel lautet es gerade.
Bald sind wir am Warnowtunnel denke ich mir. Nach Kilometer 26 geht es unter Tage, hier stoßen wir Marathonis auf die Halbmarathonläufer. Die sind um 20:00 Uhr an anderer Stelle gestartet und durchlaufen nun mit uns den Tunnel.
Wirklich eine gute Idee. Die Strecke wird nun richtig lebendig.
Dann geht es auf das Gelände der IGA
2003, hier überholt uns mein Neffe Marcus mit seiner Freundin Laura, beide
Halbmarathonis,
sie
Rostockerin, er Würzburger.
Beide sind noch fit wie Turnschuhe, das sieht bei Martin und mir ganz anders aus.
Die Tatsachen haben uns bereits seit einigen Kilometern eingeholt.
Bei Ihm schwächeln die Füße, dies ist seltsamerweise heute kein Problem für mich.
Trotz Trainingsdefizit sind meine Beine richtig fit, aber der Magen spielt verrückt.
Mir ist Grottenschlecht, lange halte ich das nicht mehr aus. Ich bin für jede Gehpause mit Martin dankbar.
Die Nacht hat uns nun voll erwischt, das Wetter ist nicht berauschend, Martin friert, seine Kleiderwahl war unklug, wenigstens da hatte ich eine glückliche Hand.

Bei
Kilometer 35 kommt uns ein Läufer entgegen, ich glaube meinen Augen nicht, er
sucht nach einem blauen Handtuch….. Ich denke mir, der Spinnt, läuft
zurück wegen einem Handtuch, ist das Dummheit, Verzweiflung, oder etwa das
Runners High?
Die Streckenposten überraschen mich immer wieder, alle haben eine tolle Laune und feuern uns an, unglaublich und das um 22:30 Uhr.
22:40 Uhr. , das schönste Schild der Strecke NOCH 1 KM, ich kann es nicht glauben, ich sehe es nicht.
Die Streckenposten rufen uns zu NOCH 500 METER, Ich sehe es nicht.
Martin und ich reißen sich nochmals am Riemen, so wie alle Marathonis die auf dem Zahnfleisch kriechen. Wir beginnen wieder eine flottere Gangart, da ist die Zielgerade.
Glücklich gehen wir gemeinsam mit 04:46:51 durch das Ziel. Nun gibt es die Medaille, und den Urkundensofortausdruck.
Im Verpflegungskanal schnappen wir uns das schönste für mich nach 42 km.
Erdinger Alkoholfrei, die Zielversorgung ist spitze, Bananen, Bier, Wasser, und es ist auch noch Suppe da.
Aber heute will mir das Bier nicht schmecken, ich will nur noch eines, ins Bett, nach der kleinen Nachtwanderung bei meinem bisher Nördlichsten Marathon
Empfehlung: Es lohnt sich die Reise nach Rostock anzutreten. Nicht nur das außergewöhnliche Erlebnis eines Nachtmarathons, sonders der schöne Strand, die attraktive Stadt, die netten Leute, einfach ein Urlaubsmarathon. Viel zu schade für Zeiten unter 4 Stunden.
Vielen Dank für den schönen Marathon an das Team der Rostocker Marathonnacht!
| 328 | 30 | Herrmann, Günter | Senioren M45 | Stadtmarathon Würzburg | 04:46:51 |
| 329 | 286 | Engstler, Martin | Senioren M35 | TV Stammheim | 04:46:51 |
| 726 | 1667 | Braun, Marcus | Männer | 02:05:02 | |
| 731 | 1601 | Schwemer, Laura | Frauen | 02:05:14 |
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